Metzgerei Zieger

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Die Geschichten des Gaisburger Marsch

 

Gaisburger Marsch, Verheierte Kartoffelschnitz und Spätzle oder Böckinger Feldgeschrei ist ein traditionelles schwäbisches Eintopfgericht.

Zur Zubereitung wird eine kräftige Rinderbrühe mit Ochsenfleisch und Suppengrün gekocht. Das Fleisch wird in Würfel geschnitten und mit gekochten Kartoffeln und Spätzle auf einem Teller angerichtet. Die heiße Brühe wird darüber gegossen und mit in Butter goldbraun gebratenen Zwiebeln sowie gehackter Petersilie serviert.

Geschichte 1

Im 19. Jahrhundert sollen Stuttgarter Offiziersanwärter eine Vorliebe für einen kräftigen Ochsenfleischeintopf mit Spätzle und Kartoffeln entwickelt haben, welcher in der im nahen Gaisburg befindlichen Gaststätte „Bäckerschmiede“ serviert wurde. Da die Offiziersanwärter auf dem Weg von der Berger Kaserne in dieses Wirtshaus eine gewisse militärische Marschordnung einhalten mussten, trug das Gericht letztlich den Namen „Gaisburger Marsch“.

 

Geschichte 2

Als Gaisburger Männer im 18. Jahrhundert in französische Kriegsgefangenschaft gerieten, wurde es den Gaisburger Frauen erlaubt, ihren Männern eine Schüssel Essen pro Tag zu bringen. Daraufhin mischten die Frauen Nahrhaftes und Schmackhaftes, um ihre Gatten wieder zu kräftigen. Bei der Kontrolle schwammen die Spätzle obenauf und die Wächter bemerkten nicht, dass die Männer eine gute Fleischsuppe bekamen.

 

Geschichte 3

Daimler-Frauen marschierten jeden Mittag über die Gaisburger Brücke bis nach Untertürkheim, um ihren arbeitenden Männer das Mittagessen im Henkelkorb zu bringen.

 

Geschichte 4

Die Wirtin des in der Talstraße gelegenen Gasthauses „Zur Glocke“ bereitete Schlachthof-Mitarbeitern deren Vesperfleisch in einem großen Kessel zu, wodurch eine kräftige Brühe - die Basis für den schwäbischen Eintopf - entstanden ist.

 

Geschichte 5

Unromantisch, dafür umso plausibler erscheint, dass sich der Name unter dem NS-Regime etablierte. In einem Zeitungsartikel aus dem Jahr 1933 wird der Begriff „Gaisburger Marsch“ nämlich erstmals erwähnt. In dem Bericht geht es um den so genannten Eintopfsonntag, den die Nationalsozialisten kurz zuvor eingeführt hatten: „Am jeweils ersten Sonntag jedes Wintermonats durfte nur Eintopf gegessen werden. Das auf diese Weise eingesparte Geld musste an das Winterhilfswerk gespendet werden.“ Auch Gaststätten durften an diesem Tag nur Eintopf anbieten. In der Gaststätte Bäckerschmiede wurde damals unter anderem Gaisburger Marsch aufgetischt.

 

Schriftlich erwähnt

1935 kam der Begriff schließlich erstmals in einem Kochbuch vor, allerdings noch als Untertitel eines Gerichts namens Kartoffelschnitz und Spätzle. Das nämlich hatte als Resteessen schon Ende des 19. Jahrhunderts unter dem Namen „Kartoffeln in der Fleischbrühe mit Spatzen“ Eingang in die Kochbücher gefunden - erstmals entdeckte Gohl es in „Löffler-Bechtels großem illustriertem Kochbuch“ aus dem Jahr 1897 im Kapitel Gemüse - gänzlich ohne Fleisch. Heute bedarf der Gaisburger Marsch - zumindest im Schwabenland - keiner weiteren Erklärungen mehr: Im Stuttgarter Stadtteil Gaisburg wird die Geschichte dieses Gerichtes sogar einmal jährlich in den Sommermonaten mit einem mehrtägigen Fest gefeiert.

 

Quellen:

Cannstatter Zeitung (Historiker Ulrich Gohl)

Wikipedia

Thaddäus Troll 1972

Neckar-Magazin